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Zeitzeugengespräch - Thomas Raufeisen berichtet vor Schülern von seinen Erfahrungen mit der Stasi
geschrieben von  Gerlinde Schneider Freigegeben in News
18
Feb

Zeitzeugengespräch - Thomas Raufeisen berichtet vor Schülern von seinen Erfahrungen mit der Stasi

„Nutzt die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen“, empfiehlt Schulleiter Thomas Wiegand seinen Schülern des Jahrgangs 10 am frühen Freitagmorgen. Zu Besuch an der IGS Guxhagen ist der Zeitzeuge Thomas Raufeisen, der als Sohn eines DDR-Spions im Alter von 16 Jahren in die Fänge der Stasi geraten ist.

„Die Geschichte ist aus meinem Leben“, beginnt Thomas Raufeisen seinen Vortrag, bei dem er streckenweise frei erzählt, streckenweise aus seinem Buch „Ich wurde in die DDR entführt. Von meinem Vater. Er war Spion.“ liest und zwischendurch immer wieder auf konkrete Rückfragen seiner Zuhörer eingeht.

Wie gebannt lauschen die Schüler Raufeisens Bericht von dessen Kindheit und Jugend in Hannover mit gelegentlichen Besuchen in der DDR bei den Großeltern. Raufeisen schildert sich selbst als ahnungslos vom Doppelleben seines Vaters, bis eines Tages die ganze Familie unter einem Vorwand überstürzt in DDR aufbricht und von dort so schnell nicht zurückkommt. Seine Fluchtversuche in den Westen bringen Thomas Raufeisen allein drei Jahre Haft in Stasigefängnissen ein.

Auch die Schilderungen alltäglicher Erfahrungen ließen die Schüler nicht unberührt. Dazu gehört, dass das Auto der Familie bei Besuchen im Osten von den Grenzbeamten „auseinandergenommen“ wurde und das darin gefundene Micky-Mouse-Heft als Feind-Propaganda konfisziert wurde oder dass im DDR-Sportunterricht in der Leichtathletik das Werfen nicht mit Schleuderbällen, nicht mit Kugeln, nicht mit Speeren, sondern mit Handgranaten – ohne Zünder – in der Schule geübt wurde. Über den Schulalltag sagt Raufeisen: „Diskussionen, wie wir es kennen, gab es dort nicht.“

Die Schüler beschäftigte vor allem das Verhältnis der Familienmitglieder zueinander. Sie wollten wissen, ob die Mutter denn gar nichts vom Doppelleben des Ehemanns geahnt habe oder warum der Vater kurz vor seiner Enttarnung nicht allein in den Osten gereist sei und die Familie zu Hause gelassen habe. Und natürlich stellten sie die Frage: „Wie war die Beziehung zu Ihrem Vater danach?“

Sowohl Raufeisen selbst als auch Gesellschaftskundelehrerin Anja Schroth, die den Kontakt zu Raufeisen hergestellt hat, betonen die Wichtigkeit derartiger Veranstaltungen im schulischen Bereich. Auszüge aus der jüngsten Geschichte werden so extrem anschaulich vermittelt und der Kontrast zwischen dem Leben in einer Diktatur und einer Demokratie den Schülern deutlich vor Augen geführt.